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#1

Germanischer Zeitvertreib Spiele 1: Hnefa-Tafl

in Germania 26.08.2011 10:00
von Doitsu • Germanologe | 292 Beiträge | 486 Punkte

Quelen sind Verschiedene Ärcheologische Seiten sowie Museumsseiten vom Nürnberger Germanischen Nationalmuseum

Spiele gehören nicht nur zu Festlichkeiten dazu. Gerade die langen Winter im Norden wurden mit Spielen verbracht. Bei archäologischen Ausgrabungen hat man Spielbretter gefunden, wozu es in der Sagaliteratur gelegentlich Anmerkungen gibt. Aus Vergleichen mit erhaltenen Spielen und solchen aus benachbarten Kulturen kann man dann versuchen, das ursprüngliche Spiel zu rekonstruieren. Neben diesen Brettspielen hat man auch würfelähnliche Gegenstände gefunden. Im übrigen gab es wohl viele Wettkämpfe im Sportbereich.

Hnefa-Tafl - Des Königs Brettspiel (Auch Beutel Tablut)

Hnefa-Tafl ist ein sehr altes, germanisches Brettspiel. Es wurde in Skandinavien schon vor dem Jahr 400 u.Z. gespielt; der Name "tafl" ist eine Herleitung aus dem lateinischen Wort "tabula", das (Spiel-)Brett oder Tisch bedeutet. Da mit "tafl" tatsächlich nur das Spielbrett gemeint sein kann, ist meist völlig unklar, welches Spiel gemeint ist, wenn in der Literatur von "tafl" die Rede ist. Man weiß allerdings, daß Schach und Backgammon, ebenfalls sehr alte Spiele, den germanischen Norden nicht vor dem 11. Jhd. erreicht haben, Dame sogar Jahrhunderte später (Waggoner). Im Buch von Willemsen sind viele gefundene Spielsteine großformatig abgebildet. Spielfiguren werden hier als Grabbeigaben von Männer erwähnt. Ebenso wird darauf hingewiesen, daß man Spielfelder auch einfach in Tische ritzen konnte, so daß heute nichts außer den Figuren erhalten geblieben ist. Am meisten profitieren wir heute von den "Tablut"-Regeln, die der Forscher Carl von Linné auf seiner Lapplandreise 1731 bei den Samen aufgezeichnet hat. Ähnliche Spiele finden sich z.T. auch archäologisch belegt z.B. in Irland, Wales ...
Aus verschiedenen Anleitungen, die ich im Web gefunden habe, ist diese Spielanleitung erstellt:

Das Spielbrett hat 12x12 Felder, aber das
Spiel wird auf den Knotenpunkten gespielt.
Erhaltene Spielbretter aus dem angelsächsischen
Raum haben deutlich mehr Felder + Figuren, das
Tafl-Spiel aus dem Gokstad-Schiff hat 13x13
Felder - es gab keine einheitliche Größe.
(Anmerkung: Gerade für Kinder dürfte es aber
leichter sein, auf den Feldern als auf den
Knotenpunkten zu spielen. Da fängt man am
besten mit einem Spielbrett mit 9x9 Feldern an.
Generell sind die Angreifer doppelt so viele
Männer wie die Verteidiger (ohne König).)
Spieler 1: Brauner König (K) und 12 braune
Verteidiger (des Königs Männer, B)
Spieler 2: 24 weiße Angreifer (W)
Das Spiel beginnt mit einer symmetrischen
Aufstellung, wie diese Abbildung (s.r.) zeigt:

Es ist sozusagen ein Angriffs- und
Belagerungsspiel, das durchaus auch die
Weltsicht der Germanen widerspiegelt: Der König
und seine Männer symbolisieren die "innere, geschützte Welt", während die Angreifer die Kräfte von "Utgard" sind (s.a. Traditionelle Gesellschaft). Die Flucht des Königs, der Sieg für Braun, bedeutet, daß eine neue Ordnung aufgebaut werden kann.
Man beachte, daß die Aufgaben für jede Seite unterschiedlich sind.
Ziel für Spieler 1: Der König muß die äußeren Knotenpunkte (also einen der Eckpunkte) erreichen, um fliehen zu können. Seine Männer müssen für ihn kämpfen und die Verteidiger in Schach halten.
Ziel für Spieler 2: Die Angreifer müssen den König fangen und können nebenbei Männer des Königs fangen (wie dies geschieht: s.u.)
Der Angreifer hat den ersten Zug.

Ziehen: Alle Männer können horizontal oder vertikal über so viele freie Knotenpunkte wie sie möchten bewegt werden. Aber: Diagonales Ziehen ist verboten und sie dürfen auch nicht über eigene oder feindliche Figuren springen. Nur ein Spielstein pro Knotenpunkt. Hat der König seinen Thron (den zentralen Knotenpunkt) verlassen, dürfen alle anderen Spielsteine auch über den Thron ziehen, dort aber nicht stehenbleiben. Die Eckpunkte darf ausschließlich der König betreten.

Fangen: Um einen Gegener zu fangen, muß ein Spieler mit zwei seiner Figuren einen Gegner horizontal oder vertikal umstellen.


Der Gefangene wird vom Brett entfernt.
Wichtig: Der Spieler, der am Zug ist, kann eine seiner Figuren zwischen zwei Feinde bewegen! Das bedeutet nicht, daß er dann als gefangen gilt.
Es reicht jedoch 1 Spieler zum Fangen einer gegnerischen Figur, wenn auf der gegenüberliegenden Seite der Königsthron oder ein Eckfeld ist. Das heißt, beim Fangen gelten diese 5 Spezialfelder wie ein eigener Stein!
Der König kann sich natürlich auch am Fangen eines Angreifers beteiligen.

Sieg: Das Spiel ist beendet, wenn der König fliehen konnte oder aber in oben beschriebener Weise gefangen wurde.

Abwandlungen: Manche Quellen deuten darauf hin, daß mit Würfeln gespielt wurde (wenn z.B. in einem isländischen Grab 24 Spielsteine, ein Königsstein und ein Würfel gefunden wurden); die Regeln sind unbekannt. Man kann hier experimentieren: Zum Beispiel kann man der Augenzahl entsprechend ziehen, bei einer 6 zweimal würfeln o.ä. Die Idee, Würfelglück mit Taktik zu kombinieren, gefällt mir z.B. beim Backgammon sehr gut.
Dann gibt es noch die Regeln, daß der König nur dann gefangen ist, wenn er auf allen vier Seiten umstellt ist. Das verschafft dem König und seinen Verteidigern jedoch einen großen Vorteil. Ebenso wird manchmal gesagt, der König könne sich nicht am Fangen gegnerischer Figuren beteiligen. Das widerspricht aber dem historischen Bild, daß der König an der Seite seiner Männer kämpft.


Ratet mal was ich am meisten mag XD

Zehn Jahr ein Kind,
Zwanzig Jahr ein Jüngling,
Dreißig Jahr ein Mann,
Vierzig Jahr wohlgetan,
Fufzig Jahr steiler Zahn,
Sechzig Jahr geht´s Alter an,
Siebzig Jahr ein Greis,
Achzig Jahr nimmer weis,
Neunzig Jahr der Kinder Spott,
Hundert Jahr Gnade Gott.

zuletzt bearbeitet 26.08.2011 10:05 | nach oben springen



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