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Germanisches: Disting

in Germania 12.09.2011 20:01
von Doitsu • Germanologe | 292 Beiträge | 486 Punkte

Für das Disting wird zwar der 2. Hornung (Lichtmeß) angegeben, aber es hat wohl - wie alle germanischen Feste - an mehreren Tagen stattgefunden. Disting - Disa-Thing - verweist auf eine Veranstaltung im "Stammesrahmen" (entsprechend den Winternächten) - im Gegensatz zum familiären Julfest. Gegen Ende der Winterzeit treffen sich die einzelnen Sippen also das erste Mal im neuen Jahr. Es werden Jahrmärkte abgehalten. Die Tradition, das Disting Anfang Hornung zu feiern, stammt aus Schweden (Uppsala). Dort war das Disablot mit Markt und einer Landesfeier verbunden.
Die Sowilo-Rune repräsentiert hier das erstarkende Licht, Algiz ist etwas schwerer einzuordnen, F. Aswynn assoziiert sie mit den Walküren; Perthro ist vielleicht der Neuanfang.


Kluge schreibt, daß das Wort 'Fastnacht' nur sekundär als 'Vorabend der Fastenzeit' zu sehen sei. 'Fas(t)' sieht er im Zusammenhang mit ig. pwos-, was 'reinigen, läutern' bedeutet. Von daher sind Disting und Fastnacht als eine Reinigungszeit zu interpretieren. Martin hingegen schreibt, Fastnacht komme von "fasen", germ. *faso (riesenhafter Übermut) oder faseln (wirres Gerede) und bezieht dies auf lautes Lärmen, um die Mächte des Winters zu vertreiben. Von daher auch der Hinweis auf die karnevalistischen Tier- oder Dämonenmasken. Das Wort 'Karneval' beleuchtet einen anderen Aspekt. Es wird von manchen Autoren als carrus navalis gedeutet, was 'Schiffswagen' bedeutet. Damit wäre es ein Hinweis auf zu dieser Zeit stattfindende Fruchtbarkeitsprozessionen durch die Felder, auf denen ein Wagen mitgeführt wurde, der einem Boot glich. Sinnigerweise zeigen heutige Karnevalswagen noch oft dieses Motiv. Kluge deutet Karneval allerdings im Zusammenhang mit der Fastenzeit. So auch Martin, der "carne vale!" als "Fleisch adé!" deutet.
Heß schrieb im Oding-Forum, daß sich Fastnacht von "Faselzeit" herleite: Wortwurzel fas, mhd. vaselen = gedeihen, fruchten, vermehren. Die Zuchtsau sei auch als Faselsau bezeichnet worden. Von daher sind die Faselnächte eine Zeit der ausgelassenen Feiern maskierter Menschen, bei denen der "Fruchtbarkeitsaspekt" nicht zu kurz komme - eben in Korrelation zum wiedererwachenden Frühling. Die christliche Kirche habe dann aus der Faselzeit die Fastenzeit gemacht.

In manchen Gegenden beginnt es schon zu tauen, ansonsten herrscht noch "tiefer Winter". Nach dem Disting kommen meist die ersten Blumen (wie Schneeglöckchen oder Krokusse) aus der Erde. In meinem Heimatort kann man oft schon Anfang Hornung Kraniche des Nachts durchziehen hören. Es ist ein sehr emotionales Erlebnis, im Dunkeln draußen zu stehen und am schwarzen Nachthimmel das Trompeten der ziehenden Formationen zu hören.
Naturmythisch ist dies die Zeit des erstarkenden Lichts. Es ist zwar immer noch empfindlich kalt, aber die Tage werden deutlich länger. Disting ist ein Fest des Lichtes und in allen Ritualen kommen Feuer und Kerzen vor. Bei diesen Ritualen wendet man sich speziell an die Disen (Idisen). Insgesamt kann man Disting als ein "Frauenfest" ansehen, wozu die Perthrorune (Frigg, Nornen) paßt. Früher endete zu diesem Fest auch die Spinnstubenzeit. Für das bäuerliche Gesinde war dieses Fest früher der "Wechsel- und Verdingungstag".

Da Disting ein Fest der Reinigung und des Lichts ist, sind Rituale auch darauf ausgerichtet, aber auch auf die bevorstehende Aussaat. Man wendete sich vermutlich in früher Zeit an Erdgottheiten mit der Bitte, die Saat aufgehen zu lassen. Passend ist z.B. der Angelsächsische Flursegen als Anrufung.
Man kann heute z.B. sehr gemütliche Feste ausrichten, bei denen man ein warmes, duftendes Bad bei Kerzenschein nimmt. Danach eignet sich am besten eine Meditation vor dem mit Kerzen geschmückten Altar. Disting ist für mich eine Mischung aus Privatheit und öffentlicher Vorfrühlingsfeier.
Man möge sich auch vor Augen halten, daß das christliche Fest in dieser Zeit "Fastnacht" ist - Fasten hier als ein Reinigungsprozeß.
Man kann auch einen Umzug durch die Natur machen oder sich eines alten Frühlingsbrauches entsinnen: Dem Schlagen des Körpers (früher auch des Viehs) mit Birkenreisern - ein altes Fruchtbarkeitsritual.
Im Anschluß an das Disting begann in früheren Zeiten wieder die Feldarbeit. Dazu gab es ein kleines, wohl eher privates Ritual der "Pflugsegnung". Bald kommen auch die Lämmer zur Welt, worauf der irische Name für das Fest - Oimelc (Schafsmilch) - hinweist.


Ratet mal was ich am meisten mag XD

Zehn Jahr ein Kind,
Zwanzig Jahr ein Jüngling,
Dreißig Jahr ein Mann,
Vierzig Jahr wohlgetan,
Fufzig Jahr steiler Zahn,
Sechzig Jahr geht´s Alter an,
Siebzig Jahr ein Greis,
Achzig Jahr nimmer weis,
Neunzig Jahr der Kinder Spott,
Hundert Jahr Gnade Gott.

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